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Norbert Maibaum - Transat 6,50

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Ruder Osmosesanierung

aktualisiert am:   08.02.2009

Über uns “Joghurtbecherseglern”schwebt er allgegenwärtig, der böse Osmosegeist. Er wird gefürchtet wie der Teufel, und wenn er einen von uns mal erwischt, dann schweigt man betreten und hofft, dass keiner etwas davon bemerkt...

Dehlerboote sind in der Regel nicht von Osmoseschäden betroffen, mir selber ist tatsächlich nur ein Einzelfall bekannt. Die Rümpfe, besonders der alten Dehlergeneration, sind wirklich gut gebaut, jedoch machen immer wieder Osmoseprobleme an den Ruderblättern von sich reden. So ist fast bei jeder Delanta 75 mit angehängtem Ruderblatt direkt nach dem Kranen im Herbst das Problem erkennbar. Die angehängten Ruder sind innen hohl und laufen mit Wasser voll. Das ist kontruktionsbedingt so gewollt. Eine Rücksprache mit den Fachleuten der Marina Großenbrode ergab aber auch nur ernüchternde Auskünfe (“Was wollen Sie, hat doch fast 30 Jahre gehalten, und hält nach der Sanierung wieder 30 Jahre...”)...grundsätzlich hat der Mann recht, dachte ich so bei mir...

Direkt nach dem Krantermin im Herbst 2007 entdeckte ich also auch bei unserem Ruderblatt diese unschönen Blasen. Ein paar Tage lang habe ich das ängstlich  ignoriert, dann habe ich mich getraut und mit dem Messer mal vorsichtig gebohrt. Es kam tatsächlich diese nach Essig riechende Flüssigkeit aus den Blasen. Somit war klar: Der Osmosegeist hat uns nicht verschont...ich gehöre nun auch zu “den Schlechten”. Nun war akuter Handlungsbedarf vorhanden. Zur Klarstellung: Diese Blasen waren nicht schlimm, andere wären wahrscheinlich noch 10 Jahre oder länger mit dem Ruderblatt ohne Probleme gesegelt! Ich möchte hier auch die Angst vor Osmose nehmen, das Boot oder das Ruder fallen nicht sofort auseinander. Osmose ist ein ganz natürlicher Vorgang bei JEDEM GfK Schiff, ob neu oder alt. Osmose ist ein chemischer Vorgang, der sich nicht vermeiden lässt. JEDES GfK Schiff nimmt, während es im Wasser liegt, Wasser in den Rumpf auf. Das lässt sich beweisen, indem man das Schiff beim Kranen im Herbst und beim Kranen im Frühjahr genau wiegt (Kranwaage). Manch einer würde staunen... im Frühjahr sind manche Schiff deutlich leichter, weil Sie über den Winter austrocknen konnten.

Eine Werftsanierung stand aus Kostengründen nie zur Debatte, ebenso ein Ruderneukauf nicht. Ein Neukauf hätte mindestens 1500-2000 Euro gekostet, eine Werftsanierung mindestens 500-1000 Euro. So habe ich mich zu einer Osmosesanierung in Eigenregie entschieden. Ich hatte allerdings auch einige Freunde und Bekannte, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Mein Dank hier besonders an Norbert, Ossi und Katja.

Nun schaut Euch meine ausführliche Dokumentation an. Insgesamt habe ich ca. 25 Arbeitsstunden investiert und ca. 300 Euro an Material ausgegeben. Ich konnte mir von Katja und Ossi eine Flex Rotex ausborgen, die eine erhebliche Arbeitserleichterung war. Eine wunderbare Maschine. Allerdings habe ich alleine an Schleifpapier für die Flex Rotex ca. 100 Euro ausgegeben. Allerdings habe ich auch das Harz von WEST SYSTEM gekauft, da ich unerfahren war und eine einfache MIschung haben wollte. Hier lässt sich durchaus sparen! Ich habe ca. 90 Euro alleine für das Harz/Härter Gemisch ausgegeben.

Ich habe meine Garage in eine Werkstatt umgebaut und beheizt. Beim Spachteln und Laminieren ist es sehr wichtig, dass es mindestens 10-15 Grad Temperatur hat und wenig Luftfeuchtigkeit herrscht. Ich mache gerne Dinge selber und traue mich an viel ran. Mit GfK habe ich zuvor jedoch noch nie gearbeitet. Dabei habe ich Epoxidharz als ein sehr gut zu verarbeitendes Material kennengelernt, welches sehr vielseitig einsetzbar ist. Man kann damit wunderbar spachteln (angedickt), kleben oder eben auch Glasfasergewebe auflaminieren.

Achtung, es folgen viele Fotos, eben eine ausführliche Dokumentation:

Das ist unser Boot bei der Übernahme 2006 in Holland.

Gut zu erkennen ist das angehängte Ruderblatt...das Corpus Delicti, das Übel, das Böse...

Blasenpest, großflächig beiderseitig des Ruder- blattes

...Blasen

Nach einigen Tagen des ängstlichen Zögerns zückte ich mein Multitool und piekste ins Verderben...das Schlimmste bestätigte sich.

Eine nach Essig riechende Flüssigkeit kam zum Vorschein...

hier gut zu erkennen: Das kreisrunde Weisse an der aufgepieksten Blase ist der Osmoseherd.

...vollflächiger Osmosebefall...

Also einen Farbschaber besorgt und dann mit der Heissluftpistole zunächst mal die ganze Farbe runter. VC17m lässt sich so gut entfernen.

unter dem Antifouling kommen die Osmosestellen richtig gut zur Geltung...

Dann habe ich mir von Norbert einen “Männerdremel” geliehen und mutig die befallenen Stellen runtergefräst, teilweise 3-4mm ins Laminat hinein. Es macht aber auch nur Sinn, wenn alle befallenen Stellen frei von Säure sind, sonst kann man es gleich ganz lassen.

Man wird mit fortschreitender Arbeit immer mutiger.

gut zu erkennen, die großflächig freigelegten Stellen, und die befallenen Stellen, die tiefer ausgefräst wurden.

Ich dachte zunächst, dass das so reicht, wurde aber eines Besseren belehrt.

...und dann hiess es spülen, trocknen, spülen, trocknen, spülen, trocknen...den halben Winter lang habe ich das Ruder in den Garten geschleppt und großzügig gespült und ausgewaschen ...die Säure muss raus. Immer wieder kam etwas nach. Anschliessend im Wohnzimmer an die heisse Heizung gelehnt ausgetrocknet.

Gründlich auswaschen und austrocknen ist das A und O der Osmosesanierung!

Nachdem das Ruder vollständig ausgetrocknet war, habe ich auf Anraten von Katja und Ossi auch das noch verbliebene VC Tar und Gelcoat abgeschliffen. Hier war mir die Flex Rotex eine Riesenhilfe! Die schleift das Gelcoat, mit dem richtigen Schleifpapier, wie nichts runter.

Hätte ich die gleich gehabt, hätte ich sofort alles abgetragen!

Mein Motto war immer: Mache es richtig! Je mehr Arbeit ich mir mache, umso besser wird das Endergebnis.

Ich möchte das so schnell nicht wieder machen.

Das hat meine Frau am allermeisten begeistert: Den halben Winter lag das Ruder vor unserer Heizung im Wohnzimmer.

Danach begann das Schaffen von optimalen Arbeitsbedingungen...nur gut, dass unser T4 nicht in die pillerige Reihenhausgarage passt und auch unser Zweitwagen auf der Strasse parkt.

Ich habe aus dicker Malerfolie eine Art Zelt innerhalb der Garage gebaut, so dass ich zum Einen annähernd staubfrei arbeiten konnte und zum Anderen relativ gut beheizen konnte. Durch das Folienzelt blieb die Wärme innerhalb des Zeltes, ansonsten wäre die Wärme in der nicht isolierten Garage verpufft.

gutes Licht ist sehr wichtig, und auch der Bauscheinwerfer heizt ein wenig

Mein Zelt in der Garage.

Dann wurde mit Watertite von International alles zugespachtelt, erst grob, dann fein, noch feiner...und zwischendurch immer wieder glattschleifen. Dazu habe ich das Ruder immer wieder mit der Schubkarre in den Garten gefahren. Dort konnte ich schleifen und spülen.

Das Zweikomponentensystem WATERTITE lässt sich sehr einfach 1 zu 1 mischen und verarbeiten. Es härtet sehr gut durch und lässt sich gut schleifen.

Feinschliff im Garten

Nachdem ich es dann einige Zeit vor mir hergeschoben habe, mich beraten habe, nochmals beraten habe, andere Meinungen eingeholt habe...traute ich mich letztendlich dann ans Laminieren. Ich habe das Ruder aufgehängt und dann mit Epoxidharz 3 Lagen Glasfasermatten rund um das Ruder laminiert. Das ist eine elende Ferkelei, immer wieder gab es Luftblasen, die ich rausdrücken musste...Das Laminieren hat ca. 2 Stunden gedauert. Immer wieder halbseitig das Ruder mit Glasfaser belegt, angeharzt, gerollt und zurechgeschnitten, dann mit Überlappung auf der anderen Seite rum...im Laufe des Arbeitsvorganges lernt man dazu und irgendwann klappt es. Aber ich war ziemlich genervt von dem Geschmadder. Einmalhandschuhe waren übrigens die perfekte Lösung.

Den Spalt von der Ruderaufnahme habe ich mit zulaminiert, und dann nach dem Aushärten einfach mit dem Dremel wieder aufgeschnitten. Danke für den guten Tip, Ossi!

So sieht das dann nach einem Tag aushärten aus.

Zum Aufhängen habe ich einfach eine lange Schraube, ca. 10cm lang, in das Wasserablaufloch gesteckt, das hat super gehalten und man kann schön rundum laminieren, lackieren etc.

Das Ruder wurde mit drei Lagen Glasfasermatte eingepackt und anschliessend noch zwei Mal mit Epoxidharz pur lackiert. Das hat jetzt eine bombige Festigkeit. Das ist jetzt zudem so wasserdicht, da kommt nix mehr durch.

Dann wurde fleissig geschiffen, erst grob, um die Übergänge weg zu bekommen, dann immer feiner. Leider gab in den Endarbeiten die Flex Rotex auf, so dass ich kein perfektes Finish hinbekommen habe. Aber das Ergebnis lässt sich trotzdem sehen.

Jetzt wurden 6 Schichten VC TAR 2 auf- getragen, das ist nochmals eine Wassersperre auf Epoxidbasis, und zugleich der Primer für das Antifouling VC 17M.

Und hier der Lohn für die lange Winterarbeit, das Ruder sieht doch aus wie neu. Zwei Schichten VC 17M runden das Ergebnis ab.

Wie ich zu sagen pflege: Das ist das weltbeste Delantaruder...naja, zumindest befriedigt es meine Ansprüche, und die sind ja nicht so niedrig.

Ich bin sehr zufrieden, das ist schon toll, wenn man sich traut solche Sachen selber anzupacken. Vor allem weiss man ganz genau, was man getan hat, und dass man das Beste gegeben hat.

Letztendlich wissen wir jetzt genau, dass das Problem behoben ist und haben eine Menge Geld gespart. Zusätzlich ist das Ruder auf jeden Fall besser als vorher.

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